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Archive for the ‘Kopfwelten’ Category

Zähne und Phobien

Ich habe schreckliche Angst vor Zahnärzten. Das ist kein Spaß.

Ich ignoriere die Existenz von Zähnen und Ärzten und die mögliche Verbindung zwischen beidem so lange es geht. Wenn selbst ich einsehe, dass weiteres Ignorieren die Sache nur noch schlimmer macht und ich dann endlich – mit viel gutem Zuspruch aus meinem Umfeld, betäubt von legalen beruhigend wirkenden Mittelchen – beim Zahnarzt gelandet bin, ist es meist dringend.

So wie gestern:

Vor einer halben Ewigkeit schon ist mir ein Stück Füllung aus einem Backenzahn abhanden gekommen (wie passiert sowas überhaupt? war das schlechte Zahnarztarbeit? habe ich zu Recht Angst?). Da der Zahn nicht wehgetan hat, war es ein leichtes diese Sache zu ignorieren.

Vor nicht soo langer Zeit hat sich dann auch der Rest der Füllung verabschiedet.

Ich habe mich geschlagen gegeben, einen Termin gemacht und bin hin.

Natürlich bin ich beim Spritze setzen schon umgekippt, mit den Worten „Ist es normal, dass mir schwindelig wird?“ und natürlich waren alleine schon die Geräusche Folter. Am Ende der Prozedur war ich schweißgebadet, aber das Loch wieder gestopft. (Und im Nachhinein muss ich  zugeben, dass der Zahnarzt wirklich sehr behutsam war.)

Trotzdem finde ich es merkwürdig, dass der Zahn, der vor dem Arztbesuch nicht weh getan hat, jetzt pocht und schmerzt und mir wie ein fieses Zerren an Nerven bis in den Kopf zieht.

Geht hoffentlich bald vorbei.

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Leben und Tod

Meine Bekannte B. hat letzte Woche ihren Sohn F. geboren. Es war die 22. Schwangerschaftswoche und der Kleine war nur 10 cm groß.

In den letzten zwei Jahren sind meine Mutter und meine Großmutter gestorben und ich weiß, wie sich ein großer Verlust anfühlt. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie es sein muss, sein Kind zu verlieren noch bevor es überhaupt auf der Welt ist.

Jetzt gehen mir Gedanken durch den Kopf, die ich mir noch nie gemacht habe:

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Gerade hatte ich eine Erkenntnis, die mich fast umgehauen hat:

Mein linkes Auge sieht blasser als mein rechtes!

Fast eine halbe Stunde habe ich gerade damit verbracht, eine bunte Decke anzustarren – abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge. Ich konnte nicht viel mehr als „boah, das grün!“ und „krass!“ stammeln und habe mich schon lang nicht mehr dermaßen bekifft gefühlt, ohne gekifft zu haben (sehr zur Erheiterung meiner Geschwister, die sich über dieses Schauspiel köstlich amüsiert haben).

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Ich bin jetzt klüger: Man sollte es nie zu einer Situation kommen lassen, in der sich eine Kopf-Affäre in die Realität umzusetzen droht.

Am Feiertag war ich noch nicht so klug. Nach ein paar Flaschen Wein und einer durchgequatschten Nacht, war meine Kopf-Affäre gerade dabei, Realität zu werden. Es hat sich gut angefühlt. Und es wäre noch besser geworden. Und dann sagt er: „Ich will nicht“. (Zugegebenermaßen hat er hinzugefügt „…du bist doch noch mit O. zusammen, oder?“ was für seine Ehrlichkeit spricht und dafür, dass er ein guter Mensch ist. Dennoch war der elementare Satz „Ich will nicht“). Ich war schlagartig wieder nüchtern.

Nicht nur, dass ich abgewiesen wurde und ein schlechtes Gewissen habe. Schlimmer ist, dass ich nie wissen werde, ob die Realität mit meinem Kopfkino mithalten kann. Und wann immer ab jetzt mein Kopfkino ablaufen wird, wird es kurz, bevor es wirklich losgeht, schon wieder enden. Mit seinen Worten „Ich will nicht“.

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In den ersten Monaten, nachdem meine Mutter gestorben ist, habe ich nächtelang nicht geschlafen, und wenn, dann habe ich von ihr geträumt und dachte, ich hätte ihre Schmerzen, weil sie ja nicht mehr da ist, um sie zu haben.

Irgendwann ging das vorbei und ich konnte wieder schlafen. Erst ein paar Stunden, dann die ganze Nacht durch.

Letzte Nacht habe ich das erste Mal seit langer Zeit wieder von ihr geträumt. Es war ein seltsamer Traum, voll verwirrender Bilder, die jetzt, im wachen Zustand, keinerlei Sinn ergeben. (Eisbären, die über Blumenwiesen laufen; ich und meine Geschwister in Pappkartons mit Pfeil und Bogen bewaffnet, gejagt von Männern ohne Gesichter; der Kopf vom Dicken (nur der Kopf), der mir die Zehen leckt; schlafen auf  einem Bett aus Tannennadeln.) Ich erinnere mich daran, dass ich mich gefreut habe, sie wiederzusehen. Dann hat der Traum damit geendet, dass ich sie auf einer Reise nach Spanien wieder verloren und erneut um sie geweint habe.

Heute ist Muttertag und natürlich war eine meiner Stationen ihr Grab, wo ich ein bisschen Unkraut gezupft, eine bepflanzte Schale abgestellt und mich über die lila Blüten am Thymian gefreut habe. Ich habe auch gesehen, dass mein kleiner Bruder (13) mit seiner Pflegemama da war und für unsere Mutter einen Brief in dem hinter dem Kreuz vergrabenen Rohr gelassen hat, das uns als Briefkasten dient.

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Jeder hat wohl ab und zu Aussteigerträume. Ruhige, friedliche und unfassbar romantische Träume.

Wie immer wenn ich träume, bleibt’s nicht beim bloßen Vor-mich-hinträumen. Ich mache mir Gedanken, wie groß ein Grundstück mindestens sein müsste, wieviele von welcher Tierart ich bräuchte, um wieviele Menschen zu ernähren und welche Pflanzen im Garten keinesfalls fehlen dürfen, um das ganze Jahr über was frisches zu bieten. So habe ich bestimmt schon hundertmal alles durchgeplant.

Mit der Vorstellung, Tiere zu töten, um sie zu essen, habe ich kein Problem. Schließlich habe ich mit 8 Jahren mein erstes Huhn geschlachtet. Aber ich wache regelmäßig spätestens dann aus diesen Tagträumen auf, wenn ich zu der Stelle mit dem Wäschewaschen und dem duschen komme. Ich liebe meine Waschmaschine und ich liebe eine heiße Dusche. Ich bin ein viel zu großes Weichei, um sowas wirklich jemals durchzuziehen. Außerdem schlafe ich gerne aus. Nix mit morgens um sechs Kühe melken und so.

Wie ich jetzt darauf komme?

Ich habe Post bekommen. Von M. aus dem Havelland. Post, die mich verwirrt und überfordert. Er schickt mir eine unverfängliche Karte, derzeit unsere übliche Kommunikationsform. Dabei, völlig unkommentiert, eine SD-Karte mit ge-pdf-ten Büchern über das Selbstversorgertum und gelebtes Aussteigen. Ich weiß ja, dass er den Zusammenbruch der Zivilisation nahen sieht und schon mal vorplant. Ich glaube, so langsam will er ernst machen. Und ich glaube, er braucht noch die richtige Frau an seiner Seite.

Wie gesagt: ich liebe meine Waschmaschine, eine heiße Dusche und ausschlafen. Vielleicht sollte ich das in meinem nächsten Brief nebenbei erwähnen.

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Das böse Mädchen von Mario Vargas Llosa.

Ein geschenktes Buch, kein selbstgekauftes.

Die obsessive und einseitige Liebesgeschichte hat mich in ihren Bann gezogen und ich habe nur ein paar Tage gebraucht, das Buch zu lesen. Einerseits ist da die fast schon selbstaufgebende Obsession des Ich-Erzählers Ricardo, auf der anderen Seite die egoistische, ehrgeizige, hochmütige und immer distanziert wirkende Frau, die sich immer wieder neu erfindet und in seinem Leben wie ein Irrlicht auftaucht. Den besonderen Reiz hat für mich die fast beiläufige Beschreibung der Orte und Geschehnisse sowie der politischen Ereignisse in Peru ausgemacht.

Kurzinhalt:
Ricardo lernt die aus ärmsten Verhältnissen stammende Lily im Peru der 50er Jahre kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Ihre Wege trennen sich, aber sie kreuzen sich bis in die 80er Jahre immer wieder an verschiedenen Orten auf der Welt (Paris, London, Tokio, Lagos, Madrid). Lily erfindet sich immer wieder neu und sucht sich ausschließlich reiche und einflussreiche Männer; Ricardo ist ihr zu wenig ehrgeizig. Ricardo dagegen kann sich nicht von Lily lösen und auch, in den Jahren zwischen ihren Begegnungen, hat sie Einfluss auf sein Leben. Gleichzeitig entfernt er sich immer mehr von seiner Heimat Peru und wird zu einem heimatlosen Weltenbürger.

Fazit:
Lesenswert

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